Achtung Falsch !

 

Wenn es in einem Gebiet relativ viel Geld zu verdienen gibt, wie das bei klassischer französischer Postgeschichte der Fall ist, sind und waren Fälscher nicht weit.

Wie kann man ohne fremde Hilfe Fälschungen erkennen?

 

 

 

Demaskierung einer Fälschung

Folgender  Brief kam bei einer Auktion nicht zum Ausruf, da dem Auktionator rechtzeitig aufgefallen war, dass hier etwas nicht stimmte:

Zunächst fällt auf, dass der Ankunftsstempel von St. Chamond zwar ein Datum aber keine Jahreszahl aufweist. Am rechten Rand ist zwar handschriftlich die Jahreszahl 1845 vermerkt – man muss aber den Brief ganz aufklappen und schon sehr genau hinschauen, um das lesen zu können. Da die Marken erst 1863 in Umlauf kamen, scheint hier etwas nicht zu stimmen. Der aufkommende Verdacht wird zur Gewissheit, wenn man den Brief vor eine Lampe hält:  

Unter den Marken zu 1 und 20 Centimes befindet sich ein Abgangsstempel von St. Étienne, wahrscheinlich aus der Vorphilazeit, der “elegant“ überklebt wurde. Durch die Entwertung mit dem Briefkastenstempel  “OR“  (Origine Rurale) soll nun suggeriert werden, der Brief sei im Landbriefkasten aufgefunden worden. Da die Frankatur mit 25 Centimes dem normalen Porto ab dem 1. September 1871 entspricht, erscheint es zumindest möglich, dass der Abschlag eines Datumsstempels versehentlich unterblieb. Den Taxvermerk von 2 Decimes erklärt das aber nicht!

Merke:

Zu schöne Abstempelungen sind keineswegs immer falsch aber zumindest immer verdächtig!

 

Durchsicht durch den Beleg:

Deutlich erkennbar die 12 Abschläge des “OR“ Stempels und der genau “eingerahmte“ Zweikreisdatumsstempel von St. Étienne mit nicht erkennbarem Datum.

 

 

Gefälschter Paketschein / Wertbrief von Frankreich nach Wien

Diese Fälschung wurde im Januar 2002 bei Ebay für $150.- angeboten. Beschreibung: "France-scarce cover toAustria-1870. Really scarce old cover from Paris(France)to Vienne(Austria)dated 04/18/1870. Franked with the scarce 5 Francs(with FAULT). See scans for quality and idea". Verkäufer war ein ansonsten (wie es scheint) zuverlässiger Belgier. Das zeigt, das auch verfälschtes Material auf den Markt kommen kann, ohne das dies dem Verkäufer selber bewusst sein mag.

"Handwerkliche Mängel" sind hier nicht auszumachen. Der Übergang des Rautenstempels von der 30c. auf den Umschlag scheint falsch nachgezogen zu sein.

Aus verschiedenen sachlichen Günden kann dieser Brief nicht echt sein. Die 30c. braun Napoleon zeigt einen Rautenstempel "407", während die 5.- F. Napoleon eine vierstellige schlecht sichtbare Nummer (..07) zeigt. Beide Stempel können auf jeden Fall nicht mit dem Pariser Datumsstempel "Paris (Pl. de la Bourse) 6E 20 AVRIL 70" und dem Pariser Firmenstempel "Vernes & Cie Paris" abgeschlagen worden sein. Auf dem Faltbrief befinden sich noch der französische "PD" Stempel und zwei österreichische Zollaufkleber. Bis zum 16.1.1879 waren Wertbriefe mit versichertem Wert (lettre chargée avec valeur declarée) von Frankreich nach Österreich nicht zulässig. Wahrscheinlich handelt es sich hier um den Teil einer Paketsendung von Paris nach Wien, die im Nachhinein durch Aufkleben der beiden Marken "verbessert" wurde.

Wenn Sie auch Stücke kennen oder besitzen, die auf diese Seite passen würden, schicken sie mir doch eine Mail.